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Ist Wing Chun das Gleiche wie Kung Fu?

 Mittwoch, 22. Februar 2017
Wer „Kung Fu“ hört, denkt oft an kahlgeschorene Shaolinmönche und pfeilschnelle Schläge in komplizierter Abfolge. Das Wing Chun allerdings hat augenscheinlich simple und wenig spektakuläre Bewegungen. Woher stammt dann die Bezeichnung Wing Chun Kung Fu? Und warum wird Wing Chun manchmal als Kung Fu bezeichnet?

Der Begriff Kung Fu entstammt dem chinesischen Wort Gōngfū (功夫), für das auch weitere Schreibweisen existieren, wie z.B. Kungfu, Gong fu, Gongfu oder Gung Fu. Sinngemäß übersetzt bedeutet es „etwas durch harte, geduldige Arbeit Erreichtes“. Im chinesischen Sprachgebrauch heißt es, jemand habe gutes Kung Fu, wenn er eine Fähigkeit durch ausdauernde Arbeit erlernt hat. Dabei ist es vollkommen egal, ob es sich um das Zubereiten von Tee, das Anfertigen einer Kalligrafie oder das Beherrschen einer Kampfkunst handelt. Es geht um die erlangte Fertigkeit, die durch ständiges Bemühen verbessert und zur Vervollkommnung gebracht wird. Und es geht um die eigene menschliche Entwicklung, die dabei stattfindet.

In westlichen Ländern wurde Kung Fu als Begriff für chinesische Kampfkunst bekannt. Diese Verwendung wurde durch Bruce Lee verbreitet, der in Hong Kong aufwuchs, dort Wing Chun bei Yip Man lernte und später in die USA übersiedelte. Heutzutage wird Kung Fu sowohl im westlichen als auch chinesischen Sprachgebrauch häufig als Synonym für Kampfkünste benutzt.

Ob Wing Chun nun als Hobby, Kampfsport oder Kung Fu zu bezeichnen ist, hängt am meisten von der Einstellung des Trainierenden ab. Wer beim Training jedem Frust aus dem Weg geht und große Anstrengungen vermeidet, betreibt Wing Chun als Hobby. Das ist ein schöner Weg zu trainieren und sorgt für viel Spaß, gesunde Bewegung und soziale Interaktion. Allerdings wäre es unpassend, diese Art des Trainings bereits als Kung Fu zu bezeichnen.

Anders sieht es aus, wenn man sich aktiv mit der Entwicklung der eigenen Fähigkeiten und den Problemen dabei auseinandersetzt. Im Wing Chun geht es darum, die eigene Bewegungsqualität zu verbessern und zu lernen, sich immer geschickter zu bewegen. Statt um besondere Fitness oder körperliche Stärke geht es also um eine Verbesserung der Koordination. Das hat nicht zwingend mit völliger Erschöpfung oder blauen Flecken zu tun, kann dafür aber manchmal sehr frustrierend sein. Sich diesem Frust zu stellen heißt, sich über lange Zeit wieder und wieder aus der eigenen Komfortzone herauszubewegen und keine Ausreden gelten zu lassen.

Diese Auseinandersetzung erzeugt gutes Kung Fu, weil der Übende auch etwas über sich selbst lernt. Der bewusste Umgang mit Problemen, die beim Training aufkommen, offenbart nicht nur beliebte innere Ausflüchte. Er schafft auch die Gelegenheit, sich selbst beim Üben und Lernen zu beobachten. Dabei lernt man schwierige Situationen zu meistern, vermeintliche Sackgassen zu überwinden und sich nicht hinter Ausreden zu verstecken.

In derselben Schule können Übende, die Wing Chun als Kung Fu betreiben, und solche, die es als Hobby sehen, problemlos miteinander trainieren. Welcher Aspekt im Vordergrund steht, hängt davon ab, mit welchem eigenen Anspruch sie trainieren. Mit der entsprechenden Einstellung kann Wing Chun ein Weg sein, als Mensch zu wachsen und Kung Fu zu entwickeln.


» Artikel von Pierre, der gerade die Welt bereiste und ansonsten Ausbilder im Wing Chun Forum ist.

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