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Wie verhindere ich einen Kampf?

 Montag, 16. Oktober 2017
Oft erscheint es so, als käme ein Angriff aus heiterem Himmel. Bis dieser stattfindet durchlaufen aber sowohl Angreifer als auch Angegriffener mehrere Phasen. Die Kenntnis dieser Phasen ermöglicht es einem Angegriffenen, sich situativ zu orientieren und erhöht die Chance, eine körperliche Auseinandersetzung abzuwenden.

Visuelle Phase

Das Spiel des Angreifers beginnt mit dem Blickkontakt. Ein grenzüberschreitendes Anstarren kann grimmig, aggressiv oder anzüglich sein. Es soll den Empfänger verunsichern oder provozieren. Ein Zurückstarren kann zu einer weiteren Eskalation führen, ein schnelles Absenken des Blickes aber zeigt Furcht. Um bereits in dieser frühen Phase deeskalierend einzuwirken, signalisiert ein langsamer Blick zur Seite: „Ich habe dich registriert, aber interessiere mich nicht für dich.“

Verbale Provokation

Mit der Ansprache setzt der Aggressor seine Absicht fort, das potentielle Opfer einzuschüchtern und dessen Bereitschaft zur Gegenwehr zu testen. Dabei dienen Sätze wie „Was guckst du?“ oder „Was willst du?“ der einleitenden Provokation. Gegenüber Frauen werden oft auch sexuelle Andeutungen gemacht.

In dieser Phase ist es wichtig, dem Angreifer durch den entschlossenen Einsatz von Stimme, Mimik und Gestik klarzumachen, dass er kein leichtes Opfer vor sich hat – etwas, das unter dem Stress der Situation nicht einfach ist. Mitunter kommt es vor, dass man aus Angst, Verlegenheit oder Schreck dazu neigt, zu lächeln. Das sendet jedoch ein falsches Signal, welches der Angreifer als Zeichen von Schwäche deuten kann. Ein laut und deutlich formuliertes „Fass mich nicht an!“ trägt dazu bei, eine klare Grenzen zu ziehen.

In weniger hitzigen Situationen signalisiert ein gelassenes Auffordern zur Ruhe, dass man sich gar nicht erst auf eine Auseinandersetzung einlässt. Wir empfehlen Eltern mit ihren Kindern zu trainieren, Fremde konsequent zu siezen. Dadurch merken Umstehende sofort, dass es sich um einen Fremden handelt.

Eine wichtige Vorbereitung auf eine eventuell notwendige Verteidigung ist die Arme schon jetzt gezielt einzusetzen. Sie sollten schützend vor dem Körper positioniert werden, da ein Angreifer das Gespräch nutzen kann, um nahe an sein Opfer heranzukommen. Und auch aus einem weiteren Grund ist dieses Vorgehen sinnvoll. Die eigene Bewegung verhindert das Einsetzen einer Angststarre, welche in einer brenzligen Situation durch zu langes Zögern eintreten kann.

Körperlicher Übergriff

Ohne Widerstand in den vorigen Phasen glaubt der Angreifer, sein Opfer gefunden zu haben. An diesem Punkt entschließt er sich zum ersten körperlichen Übergriff in Form von Schubsen, Zerren, Umarmen oder unsittlichem Berühren. Es ist unerlässlich, den Angreifer augenblicklich in seine Schranken zu verweisen. Aufgrund der fortgeschrittenen Eskalationsstufe müssen spätestens jetzt auch Umstehende durch ein für jeden hörbares „Lass mich los! Fass mich nicht an!“ auf die Situation aufmerksam gemacht werden. Sollte der Angreifer nicht zurückweichen, ist es sogar angebracht, ihn weiterhin anzuschreien und wegzuschubsen, um den Kontakt zu lösen. In jedem Fall liegt hier die letzte Chance, zu vermitteln, dass ein körperlicher Angriff Konsequenzen hat.

Angriff

Stellt der Angreifer fest, dass auf sein zunehmend übergriffiges Handeln keine entschlossene Reaktion erfolgt, hat er das Gefühl, seinen Angriff ungestraft durchführen zu können. Diese Gelegenheit wird er auch nutzen. An diesem Punkt ist die Möglichkeit zur Deeskalation vertan und es hängt von den eigenen kämpferischen Fähigkeiten ab, ob und wie gut die Verteidigung gelingt.

Hat man in den vorangegangenen Phasen jedoch entschlossen gehandelt, stehen die Chancen gut, dass der Gegner keinen Angriff wagen wird. Dazu muss ihm die Gelegenheit gegeben werden, sich zurückzuziehen. Eventuell muss er dazu drohen, z.B. mit „Wir sprechen uns noch!“ Wichtig ist, dass dem Gegner ein Rückzug ohne Gesichtsverlust erlaubt wird, da sein Ego ihn sonst zu einem Angriff verpflichtet.

Fazit

Es ist in jeder Phase möglich, deeskalierend vorzugehen. Die Wahrscheinlichkeit für eine körperliche Auseinandersetzung ist aber umso geringer, je früher und deutlicher der Angegriffene aktiv wird. Wenn dem Angreifer schon beim ersten Blickkontakt klar wird, dass er mit Gegenwehr rechnen muss, ist es sehr viel unwahrscheinlicher, dass es zu einer verbalen Provokation kommt. Am sichersten und deutlichsten kann selbstverständlich auftreten, wer sich im Ernstfall auch körperlich zu verteidigen weiß.

Leider gibt es auch Umstände, unter denen sich ein Aggressor nicht abhalten lässt, so dass es doch zu einer körperlichen Auseinandersetzung kommt. Eine erfolgreiche Selbstverteidigung hängt deshalb ebenso von körperlichen Fähigkeiten wie von dem Wissen ab, wie man diese möglichst selten einsetzen muss. Für die meisten Fälle ist ein selbstbewusstes Auftreten ausreichend und auch der beste Selbstschutz.

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