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Selbstverteidigung beginnt mit Aufmerksamkeit

 Donnerstag, 20. Juni 2019
Der Fremde, der das spontane Gespräch nicht beenden will. Der Bekannte, der nach dem dritten Glas Wein immer aufdringlicher wird. Der Chef, der täglich unverschämteres Verhalten zeigt. Übergriffe können sehr subtil beginnen. Mit der richtigen Herangehensweise können sie erkannt werden.

Wie oft werden unsere Grenzen im Alltag überschritten, ohne dass wir es sofort bemerken? Wie oft denken wir hinterher: “Eigentlich war das eine Unverschämtheit.” Meist merken wir schon ganz früh, dass etwas an einer Situation nicht stimmt, können aber erst im Nachhinein genau begründen wieso. Die ersten Signale sind oft die unseres Körpers: ein komisches Gefühl in der Magengrube, angespannte Schultern oder stockender Atem.

Je mehr wir auf diese Signale unseres eigenen Körpers hören, desto früher können wir einer Grenzüberschreitung auch begegnen. Aber wollen wir diese Signale eigentlich wahrnehmen? Gerade unangenehme Bauchgefühle versuchen wir häufig schnell loszuwerden und zu verdrängen. Wir wollen uns “nicht anstellen” und “vernünftig bleiben”, wir beißen die Zähne zusammen und reißen uns zusammen. Einmal gemachte Zusagen, auch implizite, wollen wir nicht wieder zurücknehmen. Man stelle sich die Lage einer jungen Frau vor, die sich von ihrem Verehrer zu einem Glas Wein hat überreden lassen. Nun merkt sie, dass der Typ irgendwie unangenehm ist. Jetzt einfach gehen, obwohl sie vorher zugesagt hatte? Oder doch lieber das ungute Gefühl abtun und durchhalten? Wir brauchen den Mut, dieses Gefühl wahrzunehmen und zuzulassen. Nur dann können wir angemessen auf die Situation reagieren.

In unserer Gesellschaft bekommen wir oft aber schon als Kinder das Gegenteil beigebracht: Nehmen wir das einfache Beispiel eines gestürzten Kindes, das nun weint. Häufige Reaktionen der Eltern sind abwiegelnde Sätze: “Ist nicht so schlimm!”, “Ist ja gar nichts passiert!”, “Du bist doch schon ein großer Junge/ein großes Mädchen!”. Auch schnelle Ablenkungsmanöver und Albernheiten werden gerne bemüht. Manchmal reagieren Eltern sogar mit einer starken Abwehrreaktion oder genervt mit Sätzen wie “Siehste, hab ich doch gesagt!” oder “Tja, selber Schuld!”.

Die eigentliche Lektion für das Kind lautet in all diesen Fällen den Schmerz nicht anzuerkennen und ihn besser zu verstecken. Das Beispiel trifft nicht auf jeden zu, denn nicht alle Eltern kommunizieren so mit ihren Kindern und nicht immer geht es um körperlichen Schmerz. Aber es veranschaulicht einen Impuls, den wir doch alle in uns tragen: so zu tun, als wäre alles in Ordnung. In diesem Beispiel verlangen es die Eltern von einem gestürzten Kind. Im Erwachsenenalter zwingen wir uns aber meist selbst dazu.

Mit der Angewohnheit, unsere Empfindungen zu übergehen behindern wir die Arbeit unseres Gefahrenwarnsystems. Unsere Intuition arbeitet in der Regel sehr gut und schnell, aber sie funktioniert nonverbal. Wenn wir uns bei einer Sache nicht wohl fühlen, dann haben wir intuitiv oft längst eine Gefahr ausgemacht, die wir aber noch nicht in Worte fassen können. Unser körperlichen Signale sind in diesem Fall Warnsignale und erreichen uns in Form von Gefühlen und Empfindungen. Diese können von einem leichten, unangenehmen Bauchgefühl bis hin zu starker Furcht reichen. Verdrängen wir diese Signale aus falsch verstandener Tapferkeit oder um anderen zu gefallen, dann übergehen wir einen unserer wichtigsten Schutzmechanismen.

Immer wenn unser Körper uns derartige Signale sendet sollten wir prüfen, was an ihnen dran ist. So finden wir heraus, ob uns eine Situation gefährlich werden kann. Je früher wir diese Signale bemerken und ernst nehmen, desto besser. Nur so haben wir die Gelegenheit rechtzeitig zu handeln und eine Situation zu verlassen oder zu beenden, bevor sie uns schadet.

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